Kaum eine Masteringmethode ist derart effektiv und bietet einzigartige Eingriffsmöglichkeiten wie das MS-Mastering. So können Signalanteile aus der Mono-Mitte unabhängig und gezielt von den Seitensignalen bearbeitet werden.
Ursprung bzw. Entsteheung des MS Verfahrens beim MS Mastering:
Das MS Verfahren entstand Mitte der 50er Jahre als es bereits Stereo gab, jedoch eine absolute Monokompatibilität notwendig war. Bis heute wird das Radiosignal im MS Verfahren gesendet. Dabei wird das Mono/ Mittensignal mit wesentlich mehr Energie ausgestrahlt. Bei schlechtem Empfang ist durch die interne Schaltung des Radios nur das Monosignal hörbar. Wird das Signal besser, so wird das Seitensignal durch eine entsprechende Matrix (MS-Schaltung) zugemischt und wir hören den Sender in Stereo. MS ist bis heute das einzige Verfahren, um ein Stereosignal, das absolut monokompatibel ist, zu senden. In diesem Artikel sollen die enormen Möglichkeiten im Rahmen des Masterings dargestellt werden. ![]()
Unterschiede von Mittensignal und Seitensignal:
| Mittensignal (M-Signal) | Seitensignal (S-Signal) |
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· Elementare & energetische Audiosignale wie Bassdrum, Snare, Main Vocals etc.) · weitere Soloinstrumente |
· Wenig energetische, mehr grovige Soundelemente wie (Hi-Hat, Shaker, Schlagzeug Overhats, Flächen, Gitarren, Backing Vocals, etc.) · hier kommt auch der „Hall“ zum Tragen, also Early Reflections und Reverb |
Möglichkeiten von MS-Mastering der Stereobasisbreite, des Levelings der Dynamik etc. beim Mastern:
Veränderung der Stereobasisbreite nach dem Mixdown bzw. beim Mastering
sollten z.B. die Rhythmuselemente oder alles das, was im Mix weit nach außen gepannt wird zu leise oder aber zu matt klingen, lassen sich hier wirkungsvolle Korrekturen (Equalizer oder Leveling) im Seitensignal vornehmen
Zudem kann die Räumlichkeit nachjustiert werden, sollte einmal zuviel Hall auf dem Mix vorhanden sein. Letzteres ist ein häufiges Problem beim Mastering, da der Mixdown nicht immer mit insertiertem Limiter gefahren wird!!
Sollten beispielsweise die Gitarren oder Flächen zu laut oder zu dynamisch im Mix hervortreten, so lassen sich diese unabhängig von Bassdrum und Snare im Leveling anpassen. Bei einer evtuellen Dynamikreduktion des Seitensignals mit einem Kompressor bleiben sogar die transienten Sinalanteile der Drums völlig unangetastet. Ziele können dank des MS-Masterings in solchen fällen kompromisslos realisiert werden.
Ebenso effektiv wie der Kompressor ist auch der Einsatz eines Equalizers in Verbindung mit MS Mastering. Zu dröhnende Synthie Flächen in den Seiten können mit einem Low-Cut Filter im Seitensignal gebändigt werden, sodass die wichtigsten Bass Anteile des Songs in der Mitte sind- Da wo sie hingehören.
Mehr Höhen im Seitenanteil führen zu einem breiteren Stereobasisbild im oberen Frequenzbereich (zur Erinnerung: Ein EQ ist ein Levelregler in definiertem Frequenzbereich), wobei der untere Frequenzbereich konstant bleibt!!
Sollten bspw. Bei einer Vocal die S-LAute zu scharf klingen, lässt sich dies durch Absenken der entsprechenden Frequenzen (5-8 Khz) bzw. durch das Insertieren eines De-Essers in dem Mittensignal, indem die Main Vokals maßgeblich präsent sind, wirkungsvoll korrigieren. Becken, Gitarren oder auch Flächen in den Seitensignalen werden so, dank des MS-Masterings, nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Dies sind erste Anregungen für den Einsatz und die Möglichkeiten des MS Masterings. Also viel Spaß beim forschen!!
MS- Kodierung zur Wandlung von Stereospuren in das MS Format bzw. Signal beim MS-Mastering
Die Wandlung von einem Stereosignal in das „MS-Format“ wird MS-Encoding genannt.
Grundsätzlich gilt:
M = Mono/ bzw. Mittensignal (=L+R)
L = Links
R = Rechts
S = Stereoinformation = L + (-R) = L – R bzw. -L + R
Codiering/ Encoding:
M (Mittensignal) = L (Linker Signalanteil der Stereodatei) + R (…)
S (Seitensignal) = L – R (Seitensignal = linker Kanal – rechter Kanal)
Dekodierung/ Dekoding:
M + S = L
M – S = R
Das Mittensignal (M) ist ein reines Monosignal, es wird also durch einfaches Zusammenmischen der beiden Stereokanäle zu einem Monofile erzeugt, also einem Mono-Mixdown.
Das Seitensignal wird ebenfalls auf diese Weise erstellt. Allerdings muss vor dem Mixdown zu einem Mono File das rechte Signal um 180° Grad in der Phase gedreht werden!! Durch diese gegenseitige Verpolung werden Signalanteile der Monomitte ausgelöscht, sodass lediglich seitliche Klanganteile übrig bleiben.
Anwendung des MS-Masterings bei einer Sequenzersoftware (am Beispiel Cubase bzw. Nuendo von Steinberg) in der Praxis
1. Stereodatei bspw. mit Wavelab von Steinberg oder direkt in dem entspr. Sequenzerprogramm in zwei separate Monodateien (Links und Rechts) aufteilen.
Die beiden Monodateien in jeweils eine Monospur einfügen.
Unbedingt beachten:
· exakt gleiche Positionierung der Region-Anfänge
· exakt gleiche Pegel (0)
· exakt mittige Panoramaeinstelungen (c= center oder „0“)
2. Nun einen Monomixdown durchführen. Die resultierende Mono-Audiodatei entspricht durch die Addition der Kanäle L und R dem M (Mono/Mittensignal), Also: L + R = M
3. Jetzt ist lediglich die Phase des rechten Kanals um 180° Grad zu drehen. Bei Cubase kann dies komfortabel im Kanalzug des Mixers erfolgen. Jetzt entsteht durch die Phasendreheung um 180° genau das Gegenteil,
nämlich L – R = S (Seitensignal).
4. Dies war die notwendige Vorarbeit. Kommen wir nun zum eigentlichen Maseringaufbau. Der Einfachheit halber verwerfen wir das alte Projekt (bis auf die beiden Audiofiles, dem M und dem S Signal) und starten ein neues!!
5. Die beiden Audiodateien M & S sind nun in das Projekt einzufügen. Das S Signal muss 2 mal anliegen. So sollten sich für den Masteringaufbau 3 Monospuren im Sequenzer befinden. Zu beachten sind wieder die bereits bei Schritt 2 genannten Punkte!!
6. Die untere bzw. im Mixer rechts liegende S- Spur des Seitensignals muss nun um 180° in der Phase gedreht werden. Dies ist die einzig verdrehte Spur. Die anderen Spuren müssen unbedingt eine neutrale Phasenlage von ° Grad aufweisen!!
7. Die Panoramaregler der beiden S- Spuren müssen nun hart Links bzw. hart rechts gepannt werden.
Im Detail: Die nicht- Phasengedrehte Spur nach im Panorama nach ganz Links und die um 180° gedrehte S- Spur nach anschlag Rechts.
8. Nun die beiden S- Spuren miteinander verbinden, sodass bei der Faderbewegung einer der beiden Spuren die jeweils andere exakt mitbewegt wird. Spurenverbindung bei Cubase:
Mit gedrückter „Strg-Taste“ beide Spuren im Mixer (F3) anklicken… Sind beide Spuren Markiert (sieht man durch Farbliche Hervorhebung am unteren Balken) mit Rechter Maustaste auf einen der Beiden Kanäle die Option „Kanäle Verbinden“ des aufklappenden Menüs auswählen- Fertig…
Jetzt zieht bei Bewegung des einen Kanals der andere gleich mit!! Vor dem Verbinden sollten sich jedoch beide Kanäle auf Ausgangsstellung befunden haben. (Fader in Ausgangsstellung bewegen: Bei gedrückter „Strg-Taste“ den Fader mit der linken Maustaste anklicken)
Jetzt können die beiden S-Kanäle zusammen runtergedreht werden und hörbar wird der Song Mono… Je mehr die S-Kanäle wieder aufgezogen werden, desto stärker wird das Seitensignal bzw. der Stereoanteil!!
9. Zuguterletzt empfiehlt sich noch ein Routing der beiden S-Kanäle auf eine Stereo-Subgruppe (Gruppenkanal in Cubase), um in diesem Kanal Dynamik und EQ Prozesse durchzuführen.
Für das M- Signal ist aufgrund nur eben einer Monospur keine Subgruppe notwendig, da Kompression und Equing direkt in dem Originalkanal realisiert werden können.

gutes ding. danke
hilfreich. danke
Ein sehr toller und hilfreicher Beitrag! Vielen Dank