Matthew Herbert
und Timo Maas
sind zwei Produzenten der Besonderen Art. Beide sind Ihrer Zeit Voraus und haben ihren eigenen Stil entwickelt!!
Matthew Herbert
Neben vielen eigenen Produktionen gilt Matthew Herbert als ein besonders kreativer Produzent und einer der bedeutendsten Sample- Künstler der Gegenwart. Er ist genreübergreifend im Jazz, Pop und besonders im elektronisch-experimentellen Musikbereich aktiv. So mischte er beispielsweise für zahlreiche Künstler, einschließlich R.E.M., Perry Farrel, Serge Gainsbourg, Yoko Ono, Björk und John Cale. Weiterhin unterstützt Matthew Herbert, als Produzent, die ex Moloko Sängerin Róisín Murphy bei Ihrem Debut Album „Ruby Blue“, welches ich bei meinem Vergleich von Matthew Herberts mit dem Produzenten Timo Maas heranziehe. Weiterhin analysiere ich den Track „Celebrity“ von Herberts letztem Album „Plat du Jour“.
Matthew Herberts musikalische Laufbahn begann schon im frühen Alter von vier Jahren, als er Unterricht in Klavier und Violine bekam. Diesen setzte er bis zum Beginn seines Studiums der Theaterwissenschaften fort. Zudem wirkte er in vielen Orchestern und auch im Schülerchor mit.
Mit 13 Jahren spielte er als Keyboarder in verschiedenen Bands. Besonders beeinflusst wurde er durch seinen damaligen Musiklehrer Pete Stollery. Dieser gab der frühen elektronischen Musik von Xenakis und Stockhausen, ebenso wie der Jazzmusik und der Klassik die gleiche Gewichtung.
Matthew Herbert kam schon früh mit der Audiotechnik in Kontakt, da sein Vater als Tontechniker beim Radiosender BBC beschäftigt war. Seine Eltern erkannten Herberts Begeisterung für Musik und Technik und unterstützen ihn. So konnte er sich bereits zu Beginn seiner akademischen Laufbahn ein kleines Tonstudio einrichten.
Herbert ist weiterhin sehr umweltbewusst. So verzichtet er in seinen Reisen durch Europa vollkommen auf das Flugzeug und nutzt ausschließlich die Bahn. Von Musik und musikalischer Bearbeitung, sowie der Produktion, hat er eine einzigartige Philosophie entwickelt. Diese veröffentlichte Herbert als sein Manifest, welches im Internet auf der Seite: www.matthewherbert.co.uk. nachzulesen ist.
Hierin bekennt er sich zu seinem bisherigen Schaffen, dass auf folgenden Festlegungen beruht:
- Er ist gegen das Klauen von bestehender Musik; Samples sollen neues Material enthalten
- Er untersagt die Verwendung von Drumcomputern und lehnt Presetsounds von Synthesizern grundsätzlich ab
- Fehler sind Musik. Fehler und Zufälle sollen integriert werden, sofern dies in den Musikalischen Kontext passt; Sie sind das Einzige, was den Menschen noch von der Maschine unterscheidbar macht
- 2005 erweiterte Herbert sein Manifest mit der Festlegung, dass Musik zu einem gewissen Thema auch nur mit themenverwandten Geräuschen erstellt werden darf.
In den Alben „Bodily Functions“ und „Plat du Jour“ hielt er sich strikt an dieses Manifest.
Als Remixer hat er für viele Producer neue Songkreationen erstellt, u. a. für Björk, Sven Väth und viele andere. Hier hat Herbert eine eigene Philosophie. So darf seiner Meinung nach in einem Remix eines Stückes nur Songeigenes oder neues Material verwendet werden.
Matthew Herbert lehnt Aufträge für Werbemusik prinzipiell ab. Neben seinen, auf der Samplekunst basierenden, Produktionen hat er immer noch Zeit für die Komposition und Produktion von Filmmusik gefunden.
Das Mischen hat sich Matthew Herbert selbst beigebracht und er lernt jedes Mal dazu. <!–[if !supportFootnotes]–>[1]<!–[endif]–> Weiterhin arbeitet er gerne mit anderen Produzenten zusammen, was für ihn immer wieder eine produktionstechnische Bereicherung darstellt. Seine grundsätzliche Arbeitsweise besteht darin, Geräusche aufzunehmen, daraus Samples zu erzeugen und dann mit diesem Klangmaterial Musik zu erschaffen. Der Bereich der elektronischen Klangerzeugung mit Synthesizern ist für Ihn nicht mehr bedeutsam, da dieser Bereich seiner Meinung nach ausgereizt ist.
So sucht er in der Rhythmus- und Soundkomposition mit gesampeltem und neuem Klangmaterial eine neue Herausforderung. Herbert ist gegen absolute Sterilität in seinen Werken. Er benutzt daher keine Gesangskabine oder einen speziellen Aufnahmeraum. Grundsätzlich nimmt er Vokals in der Regie direkt neben den Monitorlautsprechern auf. Sollten Störgeräusche mit auf die Aufnahme gekommen sein, so gehört dies automatisch mit zu der Produktion. Diese Fehler betrachtet er als musikalisch. Wenn im Moment der Aufnahme die Tür aufgeht, so gehört dies unmittelbar zur Aufnahmesituation dazu und hat die volle Daseinsberechtigung. <!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–> Für ihn ist der Zufall sehr bedeutsam. So hat er, wie eben dargestellt, seinen ganz persönlichen und einzigartigen Stil gefunden. Zu Beginn seiner Karriere als Produzent hat er ein einziges Mal versucht, tanzbare Dance-Musik im kommerziellen Bereich zu produzieren. Daraus wurde jedoch ein Flop. Aus dem Versuch, das „schnelle Geld“ durch kommerzielle Dance-Musik zu machen hat er Miese gemacht. Heute zählt diese Erfahrung zu den wichtigsten Lektionen seines Lebens.<!–[if !supportFootnotes]–>[3]<!–[endif]–> Matthew Herberts Musik zählt zur IDM, „Intelligent Dance Musik“. Dabei lässt er Elemente der Bereiche House, Jazz und minimalistischer Musik in seine Produktionen einfließen. Die Stücke, die von Matthew Herberts Big Band kommen, sind sehr jazzig und können dem Nu-Jazz zugeordnet werden. Herbert nahm unter anderem auch schon Tracks mit seiner Big Band in den Abbey Roads Studios auf. Er möchte dazu beitragen, dass sich IDM von ihrem Proletendasein löst. Seine „Intelligent Dance Musik“ soll mehr zum bewussten Zuhören als zum Tanzen einladen. Bei seinen live Auftritten als „Radioboy“, „Matthew Herbert Big Band“ oder auch „Matthew Herbert“ benutzt er diverse Gegenstände wie Chipstüten, Coladosen und so weiter. Daraus generiert er in seinen live Recording Loops.
Je nach Art der erstellten Musik kommen seine diversen Pseudonyme zum Einsatz. Für warme Musik gebraucht er seinen eigenen Namen. Wird sie härter und knartziger, so werden diese Titel unter „Wishmountain“, „Radioboy“ oder „Doktor Rockit“ veröffentlicht.
- Herbert
- House
- Doctor Rockit
- Elektro Jazz
- Matthew Herbert Big Band
- Swing
- Radio Boy bzw. Wishmountain
- Techno
- Matthew Herbert
- Pop
Sobald ein Titel bzw. Album veröffentlicht wird, hat er, nach eigener Aussage, keine Kontrolle mehr darüber wer seine Musik hört oder zu welchem Anlass sie benutz wird. Daher ist es dem Perfektionisten hier schlichtweg egal, ob seine Musik bewusst gehört wird oder nur als Hintergrundmusik fungiert. Aus diesem Grund feilt er bis kurz vor der Veröffentlichung perfektionistisch an seinen Nummern.
Matthew experimentiert viel mit Mikrofonen. So kam er während einer Live -Performance auf die Idee, gerade produzierte Geräusche aufzunehmen und diese in einer Schleife laufen zu lassen und zu bearbeiten bzw. zu verfremden. Bei seiner Tätigkeit als DJ schätzt er das Auflegen mit Vinyl besonders wegen der Rückkopplungen tiefer Basstöne mit der Systemnadel. Bei der Verwendung von digitalen Systemen bleibt dieser Effekt aus.
Bedeutende Werke von Matthew Herbert (Auszug):
Goodbye Swingtime
Dieses Album zählt zu der etwas leichteren Kost von Herberts Musiken. Hier verbindet er seine Samplekunst mit einer Big-Band.
Bodily Functions
Dieses Album veröffentlichte er zusammen mit seinem Manifest. Die Musik ist dem Bereich Clubjazz zuzuordnen. Hier wird eine Parallele zwischen Herberts Herangehensweise an Musik und dem Jazz deutlich, indem die Fehler und Zufälle, in Form von Improvisationen, die Musik ausmachen. Die gesampelten Geräusche sind allesamt Töne von Menschenkörpern. Die Kompositionen erinnern an die „Musique concret“.
Plat du Jour
Das Thema dieses Albums sind Nahrungsmittel. Gemäß seiner Erweiterung des eigenen Manifests im Jahr 2005 bediente sich Herbert daher nur an Geräuschen, die unmittelbar mit Nahrungsmitteln zu tun haben. Er setzt hier seine Musik zur Bewusstmachung politischer und ökonomischer Missstände ein. Er zeigt die mangelnde Qualität und die Probleme auf, die mit der industriellen Produktionsweise von Nahrungsmitteln einhergehen. Insgesamt stecken in diesem Album 2 Jahre Recherche und Samplearbeit, sowie 6 Monate Studioarbeit.
The Mechanics of Destruction
Die Geräusche dieses Albums entstanden bei der Zerstörung von Produkten, was von der Organisation „Attac“ und von Naomi Klein stark kritisiert wurde. Alle Tracks dieses Albums können kostenlos aus dem Internet unter folgender Adresse heruntergeladen werden: http://themechanicsofdestruction.com/
Score
Auf diesem Album veröffentlichte Herbert seine bis dato meist unveröffentlichten Werke, die er für Independent Filme produzierte. Es sind die Soundracks der Filmmusiken von 1996 – 2006.
Scale
Hier zeigt Herbert, dass sich die Verbindung von anspruchsvolle Musik und Pop keinesfalls ausschließt.
Hier werden diverse Klangquellen wie bspw. Särge, Benzinpumpen oder ein Tornado der Royal Air Force verwendet. Die Drums wurden hierzu im Meer, in einem fahrenden Auto oder in einem fliegenden Heißluftballon aufgenommen.
Roísín Murphy – Ruby Blue
Dieses Debut Album von Roísín Murphy entstand in Zusammenarbeit mit Matthew Herbert als Produzent in relativ kurzer Zeit. So waren die ersten 5 Songs bereits nach sechs Tagen geschrieben. Für diese Platte verwendete Matthew Herbert viele Geräuschaufnahmen. <!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–> Auf das Lied „If we`re in Love“ dieses Albums werde ich in meiner folgenden Analyse noch gesondert eingehen. Als Roísín Murphy auf Herbert traf, dachte sie, er sei ein Spinner. Sie sollte zur Produktion mehrere Gegenstände zur Klangerzeugung mitbringen. Ihre erste Aufgabe war es, mit ihrem Notizbuch gegen das Mikrofon zu hauen. Hieraus erstellte Matthew Herbert die Beats. Doch schnell erkannte sie die Kreativität und die Besonderheit dieses Produzenten. <!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–>
Timo Maas
Timo Maas begann 1983 mit 13 Jahren seine Karriere als DJ. Zugunsten seiner musikalischen Tätigkeiten gab er seinen Beruf als Kommunikationselektroniker im Jahr 1993 auf, um sich fortan vollständig seiner Musik widmen zu können. 1995 fing er an, viele Titel in den Bereichen Club, House, Progressive und Hardtrance zu produzieren. Hier startete damit auch seine Remix- und Produzentenkarriere.
Maas veröffentlichte unter diversen Pseudonymen wie Dakota Harris, Airpack 2, Mad Dogs, Orinoko und Klubkraft seine Stücke. Nach ersten größeren Erfolgen wie sein damaliger Track „Herdplatte 100°“ erlangte er mit Hits wie dem Track „Der Schieber“ großes Ansehen im Vinylgeschäft der Sparte Clubmusik.
Mit seinem Remix des Tracks „Dooms Night“ von Azzido da Bass erreichte er seinen internationalen Durchbruch. Er gewann damit den „German Dance Award“ in der Kategorie „Bester Remix“. Aufträge von Depeche Mode, Moby, Madonna, Kelis, Garbage, Fatboy Slim oder Placebo folgten.
Maas löste sich dabei stetig von seinen Wurzeln die in der Trancemusik lagen und erweiterte seinen musikalischen Horizont. Genregrenzen wurden zunehmend eingerissen. Maas verarbeitete in Remixen und eigenen Produktionen Einflüsse aus Rock, Pop und R`n`B. In seinen beiden Alben „Loud“ und „Pictures“ wird seine Philosophie besonders hörbar. Die Tracks sind groovige tanzbare Nummern, die einen hohen Grad an Verspieltheit aufweisen. Ein Track ist unterschiedlicher, als der andere. Die Alben gestalten sich sehr abwechslungsreich und lassen sich nur schwer unter einem einheitlichen Stil zusammenfassen.
Viel Unterstützung erhält Maas durch seinen Produktionspartner Martin Buttrich, welcher von ihm auch gern als sein Lieblingsinstrument bezeichnet wird. Martin Buttrich ist ein hochgradig versierter Techniker, der die qualitative Signalveredelung mit hochwertigem Equipment exzellent versteht und umzusetzen weiß. Er ist in diesem „Dreamteam“ für das Programming zuständig. Buttrichs Erfolgsanteil an Maas Produktionen beträgt nach seinen Aussagen mindestens die Hälfte.<!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> Buttrich erweißt sich bei der Umsetzung von Timos Produktionen als Perfektionist.
Maas legt in seinen Tracks eine besondere Gewichtung auf ein grooviges Fundament. Bei vielen Technoproduktionen vermisst er einfach „den Schmackes“.<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–>
Maas liebt es nach eigener Aussage Erwartungen gerade nicht zu erfüllen. Getreu dem Motto: „Expect the uneexpected“ .<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–>
Bedeutende Werke Timo Maas:
Neben etlichen eigenen Produktion, von Techno bis Pop, hat Timo Maas viele hochkarätige Remixe und zwei eigene Künstleralben namens „Loud „ und „Pictures“ umgesetzt.
Musik fort he Maases (Mix CD)
Dies ist eine Mix CD, in der zahlreiche Titel in sehr guter Qualität zusammengefügt wurden. Neben vielen anderen Titeln integriert Maas auch eigene Werke.
Connectet
Diese Mix CD entspricht dem klassisch englischem Mixing Stil. Die Trax sind gut aufeinander abgestimmt. Die Auswahl der Songs ist relativ technoid.
Enjoy The Silence & Personal Jesus
Timo Maas hat zwei der erfolgreichsten Lieder von Depeche Mode geremixt.
Timo Maas hat den Remixen eine neue Note gegeben, indem sie respektvoll mit dem Ausgangsmaterial umgegangen sind. Diese Herausforderung hat er mit Bravur gemeistert.
Loud (2002)
Das Album Loud war Timo Maas erstes Künstleralbum. Bereits hier dringt die musikalische Vielseitigkeit deutlich durch. Die Musik ist eine Mischung aus House, Techno und Big Beat. Das Album kommt dem Pop schon sehr nahe. Trotzdem ist es recht DJ orientiert. Die einzelnen Stücke weisen weitreichende musikalische Einflüsse und viele spielerische Elemente auf. „Loud“ ist sehr integrativ, Genregrenzen bestehen hier nicht mehr. Die bedeutendsten Tracks sind die Titel „To get down“ und „Ubik“.
Music fort he Maases 2
Dies ist eine anknüpfende CD der ersten Music for the Maases, die bereits seinen Hit Remix „Enjoy the Silence“ enthält.
Pictures(2005) – zweites Album
Mit seinem zweiten Album setzt Maas noch eins drauf. Es werden weiterhin Genregrenzen überwunden. Im Einzelnen kommen hier Elemente von Rock, Pop, Wave und sogar Hip-Hop vor, welche sich in Richtung Funk bewegen. Die elektronische Verbundenheit bleibt jedoch noch deutlich erhalten. Das ganze Album vermittelt eine etwas düstere Stimmung, die durch eine melodramatische Streichersektion hervorgerufen wird. Die subtilen Gitarren unterstützen zusätzlich diese Stimmung. Sehr gut gewählte Vokals liefern der Placebo Sänger Brian Molko, die Newcomerin Jo Kate und Hip-Hop Queen Kelis. Timo Maas konnte hier sehr passende Stimmen einsetzen. Als bedeutendste Songs gelten hier die Nummern First Day und Ur Ears. In seinem zweiten Album bleibt sich Maas konsequent seiner offenen Linie treu. Es ist die logische Fortsetzung von Loud.
Analyse und Vergleich ausgewählter Stücke
Matthew Herberts:
Celebrity des Albums „Plat du jour.“
Dieses Album ist das bisher experimentellste von Herbert. Auch hier schafft der Produzent Timbres und Klangoberflächen einzig und allein aus Geräuschen. Bereits zu Beginn vermittelt der Track eine Schräge Atmosphäre. Die Drums klingen sehr metallisch, was sich teilweise in der Verwendung diverser Verpackungsmaterialien begründet. Besonders die Snare hat einen ²dreckigen und ²trashigen² Klang.
Zu diesem Album existiert eine Webseite in der genau erklärt ist, wie die einzelnen Laute zustande kommen. In diesem Stück deutet er eine Songstruktur lediglich nur an. Der Song ist eine Mischung aus Pop, Jazz und Funk, mit einem vorhandenen Hitpotential. Durch die vielen Erstreflexionen des Raumes wirken die Vokals sehr kühl. Die Vokals werden besonders zum Ende hin mehrfach gedoppelt und lassen die Sängerin „Chorartig wirken“ Für die Hookline hat Herbert einen Modulationsartigen Pitsch-Effekt verwendet.
“If we´re in Love” des Albums Ruby Blue von Roísín Murphy
Das Stück bewegt sich stilistisch gekonnt zwischen Hoese Beats, Jazz und Big-Band- Sound.
Der Song ist besonders durch zahllose jazzige Rodes- Linien und Bläser geprägt. Es gibt kein straightes „Four on the Floor“ Schema.
Nach einem kurzen Intro von vier Takten, in dem nur der Bass und die Vokals vorhanden sind, setzt der Beat ein. Man hört hier deutlich Herberts Stil in Form von interessanten, nicht direkt zuordbaren Samples heraus. Die Snare spielt mit einem leichten Laid Back Feeling in jedem zweiten Schlag, was zu einem besonderen, funkartigen Groove führt. Die Bassdrum ist nicht gut ortbar und sehr subtil.
Anstelle von Hi –Hats kommen gesampelte Percussion Sounds zum Einsatz. Klänge von Hölzern unterstützen den gelungenen Groove. Das Programming des Tracks wirkt sehr geschuffelt. Die kurzen Klicks wurden durch ein Delay geschickt. Sie spielen eine Arpeggiator ähnliche Figur.
Sobald der Gesang durchgängig in Takt Neun einsetzt, kommt kurz darauf eine Rythmusgitarre hinzu. Die Die Vokals unterteilen sich in Main Vokals und Backings, die weiter nach Außen gepannt sind. Die Stimme wirkt bei mittelmäßigem Hall sehr intim. Die Atemgeräusche sind gut abgebildet, was die Intimität der Stimme weiter unterstützt. Dazu kommen jazzige viertel Voicings vom synthie. Dieser Sound ähnelt der Funktionsweise einer Gitarre, ist aber vom Klang sehr verschieden. Das Tremolo Roads doppelt die Gitarren Akkorde und fügt loungige Töne hinzu. Das Stück ist eine gute Mischung organischer und synthetischer Sounds.
Das Roads spielt eine groovige Melodie-Linie, die vom Bass gedoppelt wird.
Weiterhin ergänzt wird der Sound durch eine Sägezahn-Sequenz, die nach einem alten analogen Synthie klingt, etwa einem Mini-Moog. Das Arpeggio erfüllt die Funktion eines Padsound, der das Stück jedoch nicht zu sehr verdichtet. Die Blöser sind wiederum wie die Roades ein Teil des organischen Sounds. Scratsch-Effekte sorgen für die nötige Abwechslung und runden das Stück ab.
Werke Timo Maas:
First Day
Der Song First Day ist von Maas zweitem Album und war in den Charts am erfolgreichsten.
Der Track liegt einem popähnlichem Schema zu Grunde. Das Arrangement weist Dance-Strukturen auf. Alle 8 Takte verändert sich etwas. Zuerst kommt das Intro, welches nur aus Drums besteht. Die Bassdrum befindet sich auf den Zählzeiten 1, 2 + und 3. Die Snare wird danceklassisch auf der 2 und der 4 gespielt. Nach den ersten 8 Takten kommt der Bass hinzu.
Dieser wird sehr punktiert und perkussiv auf Achtelzählzeiten gespielt. Nach weiteren 8 Takten wird die Bassfigur zu einer durchgängigen Basslinie erweitert und zeitgleich setzt ein Synth Arpeggio ein. Wieder 8 Takte darauf kommen Vokals von Jo Kate hinzu. Diese sind in strophenartiger Form sehr passend und verleihen dem Track eine gewisse Erotik. Danach kommt die Hookline, die durch Placebo Sänger Brian Molko gesungen wird. Er ist hier besonders gut rauszuhören. Die einprägsame Hookline wird nun immer im Wechsel von 8 oder 16 Takten wiederholt. Anstelle von Hi-Hats verwendet Maas ein hochstimmiges 16-tel Arpeggio, dass unglaublich Tempo macht und den Groove unterstützt. Es setzt immer zeitgleich mit der Hookline ein.
Der Track kommt in seiner düsteren, nebeligen Stimmung sehr groovig rüber. Er ist treibend und regt zum Tanzen an.
Depeche Mode Remix- Enjoy the Silence
Das Stück enthält zwar noch original Elemente, aber an und für sich wird der Song komplett umgekrempelt. Aus der fröhlich lockeren wird eine eher düstere mystische Stimmung, welche trotzdem angenehm weich bleibt. Der Remix beginnt mit einem recht langen und sich langsam aufbauenden minimalen Intro. Zu Beginn ist nur die Bassdrum und ein snareartiges Event vorhanden. Es baut sich eine Hi-Hat Figur im Hintergrund auf. Nach einem reversed Crashbecken setzt der Bass ein, der zunächst auf den geraden Zählzeiten 1 und 3 spielt. Die Hi- Hat wirkt geschuffelt. Die Bassdrum entspricht einer typischen Elektro Nummer, etwa eine Mischung aus einer Tr 808 und Tr 909 von Roland. Der 4 on the Floor- Drumgroove ist sehr ausgeprägt. Die Snare spielt dabei jedoch nicht dsancetypisch auf den Zählzeiten 2 und der 4, sondern in 8teln und in Dreierkombinationen. Das Tempo wurde ein wenig angezogen. Die Struktur dieser Version wirkt deutlich klarer, aufgeräumter und minimaler.
Weiterhin wird der Mix durch ein E-Piano ergänzt. Auf dem sehr vordergründigen, präsenten und klarem Beat kommen dann die Vokals, die teilweise nur in Zusammenhang mit der Rhythmus Sektion gespielt werden. Aus dem Original hat Maas auch die hintergründige Hookline übernommen, die in dem Remix jedoch nicht mehr hinter Girtarren versteckt ist. Gitarren fehlen in der neuen Version gänzlich, und die Melodik ist zu großen Teilen sehr reduziert. Anstelle des pad- und. leadartigen Breitwandsounds kommt nun mehr die metallisch, perkussiv klingende Hookline durch.
Besonders auffallend ist das klassische Ravelead , dass sich trotz seines markanten Sounds gut in den Mix integriert.
Die in der Originalversion vorhandenen stackartoartigen Pads wurden nicht übernommen.
Timo Maas hat zudem Stereo und Phaser Effekte auf die Mainvokals im Refrain gesetzt, die für einen Takt stehen bleiben. Hier scheint sich der Track für einen Moment stark zu verändern, um dann doch in gewohnter Weise weiterzulaufen. Die Vokals wurden mit ordentlich Hall versehen. Die Intesität variiert jedoch. Die Backings sind „nasser“.
Auf den Vokals und der Snare ist auch ein Delay festzustellen. Der Track erzeugt Spannung und Neugier.
Durch den Remix wird aus der Synthie- Popnummer ein gelungener Dancerock-Track.
Timo Maas ist eine gute Verbindung zu den vorhandenen original Elementen des Songs gelungen. Zudem ist der Track eine perfekte Symbiose zwischen „Minimal Techno“ und Popmusik. Allgemein tendiert das Stück von dem Weichen weg, hin zum mystisch Härteren. Auch die einsetzenden Streicher verstärken diese Empfindung.
Vergleich beider Produzenten hinsichtlich ihres Erfolges
Beide Produzenten kennzeichnen sich durch ihre besonderen einzigartigen Stile aus. Matthew Herbert und Timo Maas sind musikalisch sehr offen. Sie haben sich nicht auf einen Bereich beschränkt, sondern produzieren weitestgehend genreübergreifend. Zu den weiteren Gemeinsamkeiten zählt neben den Produktionen ihre Tätigkeit als DJ.
Maas ist hier besonders im vereinigten Königreich erfolgreich. Seine Tournee zum Album „Loud“ setzte er als DJ um und wurde von seinen Künstlern begleitet, die die Sets mit Live- Elementen ergänzten. Maas musikalischer Bereich ist ein Mix aus Rock, Pop und Elektro.
Bereits mit dem Album ²Loud² repräsentiert Maas eine gewisse Weltoffenheit. Die Platte steht für neue Musik, für das neue Jahrtausend.
Seine Tracks sind in musikalischer sowie produktionstechnischer Hinsicht von höchster Qualität. Die Musik klingt nicht überfrachtet und ist sehr eingängig. Die Tracks weisen in der Regel gute Hooklines auf und sind durch passende Melodien und treibende Grooves gekennzeichnet. Dies ist Maas kennzeichnender Stil. Der Ausgangspunkt seines Erfolges stellt der Remix „Dooms Night“ für Azzido da Bass dar. Maas Name ist seit dieser Nummer bis in den Pop-Bereich vorgedrungen. Remix-Anfragen von Moby, über Moloko, und Depeche Mode unterstreichen dies. Die Remixe „Enjoy the Silence“ und „Personal Jesus“ gelten als, bis dato, wichtigste Referenz für Timo Maas. Mit dem „Enjoy the Silence“-Remix war Maas für den „Dance Music Award“ in der Kategorie „Bester Remix 2005“ nominiert, den er nur knapp verfehlte.
Originale Elmente dieses Werkes lassen sich auch heute noch hervorragend mit modernen Elementen remixen. Die Sounds lassen sich sehr gut mit den neuen Elementen von Timo Maas verbinden. Dies spricht dafür, dass Depeche Mode ebenfalls wie Timo Maas dem Stil ihrer Zeit voraus waren bzw. sind.
Mit seiner Musik setzt Timo Maas dem typischen deutschen „Schubladendenken“<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–> etwas entgegen. In Deutschland besitzt er jedoch genau aus diesem Grunde nicht den Ruf, den er im internationalen Raum genießt. Er ist für die deutsche Elektro-Szene zu popig und für den Popbereich anscheinend zu technoid. Jedoch liegen genau hier seine Stärken. In England hingegen kann ein DJ, Act oder Produzent gar nicht populistisch genug sein. In Deutschland wird Populismus mit Proletentum abgegolten. In England vergleichsweise wird Clubmusik als „Big Business“ betrachtet.
Richtige Anerkennung findet hierzulande nur der Untergrund. Dabei gibt es dafür gar keinen Grund, denn es wurde noch keine Schublade gezimmert, in die man Maas stecken könnte. Genau dafür wird er auch international geschätzt. Seine Produktionen zeichnen sich durch einen hohen Wiedererkennungswert aus. Sie sind zudem besonders gut tanzbar. Timo Maas hat hier seinen eigenen Stil entwickelt, der immer neue interessante Stücke entstehen lässt. Auch mit seinem zweiten Album ist er sehr erfolgreich. Die Hits „First Day“ und „Ur Ears“ erreichen Top Platzierungen in den weltweiten DJ-Charts. Timo Maas ist ein wahres Multitalent und steht für zukunftsweisende elektronische Musik. Kaum ein anderer Künstler versteht es so viele Musikgenres miteinander zu einer derartig groovigen Symbiose zu kombinieren.
Matthew Herbert möchte mit seiner Musik mindestens zwei Dinge erreichen. Zum einen nutzt er die Musik um so politisch agieren zu können. Herbert stellt gesellschaftliche und ökonomische Missverhältnisse auditiv dar und möchte so darauf aufmerksam machen.
Zum Anderen möchte er mit Musik auch etwas Positives erreichen: Musik soll Spaß machen, soll begeistern und etwas besonderes sein. Diese Besonderheit erreicht er, indem er beispielsweise aus „Müll“ Klänge und sogar Melodien hervorruft. Sein besonderes Merkmal ist seine Umgangsweise mit Fehlern und dem Zufall. Diesen sieht er als willkommene Abwechslung zu durchdachten Arrangements. Die so entstandenen Klänge faszinieren bei Ihm auf diese Weise so besonders. Trotz seines enormen Sample-Einsatzes der ungewöhnlichsten Klangquellen klingt seine Musik im Vergleich zu anderen Samplekünstlern wie die von „Autechre“ nicht so abstrakt. Sie ist melodischen Charakters und besitzt durchaus Hitpotential.
Im Jahr 2002 rief Matthew Herbert sein eigenes Label „Accidential“ ins Leben, auf dem er nun seine Alben veröffentlicht. Herbert beweist, dass sich anspruchsvolle Musik und Pop nicht ausschließen. Timo Maas verbindet viele Genres miteinander und produziert ein recht popiges Album. Der Erfolg von Herbert liegt in der Verbindung von Pop mit Abstraktion unter Einbeziehung vieler weiterer Elemente. Obwohl das Klangergebnis beider Produzenten recht unterschiedlich ist, liegt der Erfolg beider in der ständigen Bemühung, den musikalischen Horizont durch Neues zu erweitern.
Quellenangaben:
[Her 05] http://themechanicsofdestruction.com/
Matthew Herbert Exklusiv Interview: http://209.85.135.104/search?q=cache:S7kinGeZ2YIJ:www.matthewherbert.net/fiches_diverses/fiche_presse.php%3Fid_p%3D1%26lg%3Dan+matthew+herbert+debug&hl=de&ct=clnk&cd=8&gl=de&client=firefox-a
[Bio07] Biographie Herbert, http://www.laut.de/wortlaut/artists/h/herbert/biographie/index.htm
[Unb05] Unbekannter Interviewer, auf: http://ad.doubleclick.net/sdj/N4272.72339742/B2281937.7
[Ham01] „Madonna für Museumsgänger² In: Die Woche, 24. August, S. 39.
[Mat01] Matthew Herbert, „Mechanics of Destruction”, http://www.magicandaccident.com/MoD/index.htm
[Ama07] www.Amazon.de
[Int07] www.intro.de
[Sti02] Stitch: Timo Maas, ein einfacher Mensch, Intro Nr. 92, Februar 2002
[Bie05] Hannes Bieger, Matthew Herbert- Plat Du Jour, Keyboards, 10/05
[Int00] Holger In’t Veld: Bericht: Der politische Tanzlehrer, auf: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,103578,00.html
[Böc02] Jörg Böckem: Meistermixer aus Bückeburg, auf: http://www.spiegel.de/kultur/musik/
[Dal05] Christoph Dallach: Raus aus der Enge, auf: http://www.spiegel.de/kultur/musik/
[Stü05] Tim Stüttgen, Bericht über Timo Maas, Keyboards, /05
[Lon] Markus Lonardoni, Popularmusiklehre, Pop, Rock, Jazz,Reclam, Stuttgard, 1996
<!–[if !supportFootnotes]–>
<!–[endif]–>
<!–[if !supportFootnotes]–>[1]<!–[endif]–> Bie 05
<!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–> Bie 05
<!–[if !supportFootnotes]–>[3]<!–[endif]–> Int00
<!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–> Bie 05
<!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–> Bie 05
<!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> Stü 05
<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–> Zeitschrift Groove, Ausg. 107, 08 2007
<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–> Doubleclick.net interview, 2005
<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–> Amazon.de Interview 2005
http://www.youtube.com/watch?v=VvXK8itW2ss Scale K7 Interview
Matthew Herbert – Never Stops the Music
Timo Maas Videos:

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